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NWZ, 25.05.2010

Erinnerungen öffnen Welten

Seminar unterstützt Helfer bei der Arbeit mit Demenzkranken

Rund 25 freiwillig Engagierte und feste Alten- und Pflegeheimmitarbeiter trafen sich im DRK-Seniorenzentrum Hattenhofen, um über eigene Erinnerungsspuren seines Lebens nachzudenken.

Hattenhofen
- Man nehme einen alten Koffer, gestaltet einen Karton oder eine schöne Kiste und lege alles hinein, was zu seinen ureigenen Erinnerungen und Schätzen gehört und fertig ist der ganz persönliche „Erinnerungskoffer“. Wozu man diesen braucht? Die Summe der Erinnerungen machen unsere Identität aus und müssen gepflegt werden - das gilt vor allem für gemischte Gruppen von Menschen mit Demenz sowie deren Angehörigen.

Für die vielen Ehrenamtlichen, die bereits seit Januar das Netzwerk Bürger-Engagement für Lebensqualität im Alter (BELA III) in der Qualifizierungsreihe „Auf gute Nachbarschaft“ begleiten, war das Seminar „Erinnerungen öffnen Welten“ sowohl für die zukünftige Arbeit mit Demenzkranken als auch für sie selber eine Bereicherung.

Interessiert hört die Heimleitung dem Vortrag zu
Interessiert hört die Heimleitung dem Vortrag zu

Erinnerungspflege ist eine Kommunikationsweise, die mit dem „Schatz der Erfahrungen“ aus dem Leben eines Menschen arbeitet.

„Dazu gehören vielerlei Dinge und Gegenstände, die uns begleiten und wichtig sind. Das können Bilder, Bücher, Fotos, Ansichtskarten, Zeitungsausschnitte, alte Spielsachen, Schmuckstücke, Musikinstrumente oder Kleidungsstücke sein", weiß Seminarleiterin Magdalene Lutz-Rolf, die längst ihren individuellen „Erinnerungskoffer“ gepackt hat und den Inhalt nun reihum mit der Gruppe bespricht.

Schnell keimen bei den Anwesenden Erinnerungen. Yvonne Staudenmayer hat es besonders ein Liederbuch angetan. „Das erinnert mich an meine Ausbildung vor elf Jahren und an das, was bis heute alles geschah“, verrät die Pflegedienstleiterin. Die mitgebrachten Dinge motivieren schnell, zu erzählen und sich zu entsinnen. Maria Richthammer aus Süßen ist von dem Nachmittag der Erinnerungen so begeistert, dass sie spontan ihre Freude per Gedicht zum Ausdruck bringt. „Natürlich sollte der „Blick zurück“ mit Demenzkranken viel Geduld und Zeit haben, sich zu entwickeln", weiß die Fachfrau von der Göppinger Wilhelmshilfe. Erinnerungspflege unterstützt Selbsterfahrung, macht Zugehörigkeit sichtbar und bringt Menschen auf meist vergnügliche Weise zusammen und ins Gespräch. Bei schlimmen Erinnerungen über Dinge, über die früher einfach nicht geredet wurde, können Texte, Rituale oder Gegenstände Trost spenden und somit das Gefühl der Geborgenheit geben. Dabei muss es nicht unbedingt die Sprache sein. Tanzen, sich bewegen, Musik hören, Malen, Lesen, Kochen, die einfache Verrichtung alltäglicher Dinge oder gar Gerüche können jederzeit das Gedächtnis aktiveren. Erinnerungspflege ist die liebevolle, fantasiereiche, entspannte, neugierige Suche, die alleine oder gemeinsam Kraft aus dem Vergangenen für die Gegenwart schöpft.